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Die Phase Nachdenken

Erleben des Klienten

Ich bin verraten und verkauft, ich kann nichts ändern. Ich bin latent unzufrieden mit mir, etwas passt mir nicht an mir. Ich stimme der Lageeinschätzung zu, ich erkenne ein Problem. Ich suche ein konkretes Ziel bzw. ein Vorhaben. Ich möchte etwas an mir verändern. Ich habe Angst, dass die bevorstehende Veränderung auch Nachteile mit sich bringt. Ich wäge die Vor- und Nachteile einer möglichen Veränderung ab. Es geht um MEINE Sache, ich muss aber nicht alles ALLEINE erledigen. Ich beziehe andere Menschen mit ein.
Ein guter Einstieg, damit Sie diese Phase bearbeiten und hinter sich lassen können, ist die Methode 207.

Interventionsmöglichkeiten des Beraters

Den Klienten darin bestärken, dass er etwas verändern kann. Es ist realistisch, dass sich die Dinge ändern, wenn der Klient etwas ändert.  Den Klienten entwickeln lassen, welche Risiken sich einstellen werden, wenn er sein Verhalten beibehält. Den Entscheidungsprozess mit Kreativtechniken aller Art unterstützen. Dazu zählen Akronyme, Bilder zeichnen, kurze Texte schreiben lassen, Zettelchen im Geldbeutel, Waldspaziergänge, Gespräche mit Freunden, W-Fragen formulieren, Informationen sammeln und nach Interessenlage neu zusammenstellen, Auswahl-Matrices, Zeitfresser im Tagesablauf identifizieren und streichen uvam. Es geht darum, dass sich die Nebel lichten und der Klient eine persönliche Zielaussage formuliert. Den Nutzen von offener und von stimmiger Kommunikation darstellen (Johari, Schulz von Thun), Folgen bedenken, Verantwortung für die eigene Person, für die Gruppe und für das Thema übernehmen. Entscheidungsbalance beeinflussen.

Den Satz ergänzen: „Was wird sein, wenn ... " Positive und negative Folgen einer möglichen Entscheidung für den Klienten und für andere Menschen sowie die wahrscheinlichen Reaktionen von ihm selbst und von anderen Menschen auflisten. Ambivalenzen sind OK, Sie können sie erfassen und gewichten. Welche Entscheidung legt diese Liste nahe? Gegebenenfalls den ersten Satz „Was wird sein, …“ variieren und die Liste neu schreiben, bis der Klient mit der Gewichtung der Vor- und Nachteile einverstanden ist und sich für ein Vorgehen entscheiden kann. Es kommt auf den Prozess an, der sich in Abwesenheit des Beraters vollzieht. Wenn ein Klient alle Hinweise eines Beraters ausschlägt und eine neue Handlungsweise für sich entwickelt, dann hat der Berater einen guten Job gemacht: der Klient ist kreativ, er bringt all seine Kompetenz ein und er emanzipiert sich vom Berater. Es kommt darauf an, dass der Berater möglichst viele passende Hinweise gibt und Mut macht. Im Folgekontakt fragt der Berater: „Was haben meine Hinweise bei Ihnen ausgelöst?“, das stellt den tatsächlichen Prozess in den Mittelpunkt. Er fragt nicht: „Haben Sie meine Hinweise befolgt?“, das würde auf beiden Seiten nur Frustrationen auslösen. Verbindlichkeiten herstellen, zeitnah Ziele vereinbaren und dranbleiben.